Jüdische Geschichte

In den Gemeinden Kippenheim und Schmieheim entwickelten sich ab Mitte des 17. Jahrhunderts jüdische Gemeinden. Dies geschah in einer Zeit als die Juden als Landesfremde galten und als sogenannte Schutzjuden unter einer hohen Abgabelast leben mussten. Da ihnen der Zugang zur Landwirtschaft und zum Handwerk verwehrt war, verdienten sie sich ihren Lebensunterhalt ausschließlich durch den Handel.

In Kippenheim wurden die erste Synagoge um 1750 und ein Neubau 1793 im Bereich der Judengasse errichtet. Die dritte Synagoge in der Poststraße im neoromanischen Stil wurde von Georg Jakob Schneider geplant und 1852 eingeweiht. 1871 betrug der Höchststand der Kippenheimer Gemeinde 323 Personen.

In Schmieheim erinnert neben dem jüdischen Schulhaus und dem Ritualbad in der Kirchstraße vor allem der Jüdische Verbandsfriedhof parallel zur Wallburger Straße an die jüdische Geschichte. Diese Grabstätte wurde 1682 eingerichtet und von den jüdischen Gemeinden der südlichen Ortenau gemeinsam getragen. Mit etwa 2.500 Gräbern ist die Grabstätte einer der größten jüdischen Friedhöfe Südbadens. Der älteste erhaltene Grabstein stammt von 1701. Die Schmieheimer Gemeinde errichtete ihre erste Synagoge im Jahr 1720. Von 1827 bis 1893 war Schmieheim der Sitz des Bezirksrabbiners.

In beiden Gemeinden führte die rechtliche Gleichstellung der badischen Juden, die 1862 ihren Abschluss fand, zu Abwanderungen in die Städte oder nach Amerika. Im Ersten Weltkrieg kämpften auch zahlreiche jüdische Männer. An die gefallenen jüdischen Soldaten der Region erinnert das 1919 errichtete Denkmal auf dem Schmieheimer Friedhof.

Bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 lebten in Kippenheim 144 und in Schmieheim noch 70 Jüdinnen und Juden, die den Großteil der Geschäftsleute stellten. Antisemitische Beschlüsse, Diffamierungen, Boykottierungen und Enteignungen zwangen viele zur Emigration. In der so genannten Reichskristallnacht vom 9. auf den 10. November 1938 schändeten die Nationalsozialisten die Synagogen sowie den jüdischen Friedhof. Die jüdischen Männer hielten sie für mehrere Wochen im Konzentrationslager Dachau fest. Am 22. Oktober 1940 wurden die, noch verbliebenen meist älteren, jüdischen Einwohner nach Gurs in Südfrankreich deportiert. Seit diesem Tag gibt es keine jüdische Bevölkerung mehr in der Region.

Stolpersteine

Am 19. April 2004 beschloss der Gemeinderat in öffentlicher Sitzung, dass sich auch die Gemeinde Kippenheim an der Aktion „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig beteiligen wird. Am 13. Januar 2005 wurden um 10:00 Uhr die ersten Stolpersteine verlegt.

Vor dem Anwesen Untere Hauptstraße 2 wurden zwei Stolpersteine mit den Daten von Samuel und Sofie Wertheimer von Gunter Demnig verlegt. In einer kurzen Ansprache dankte der Bürgermeister dem Kölner Künstler Herr Demnig, Herr Michael Nathanson als Initiator des Projektes und den Paten der Stolpersteinen. Die über Patenschaften finanzierten Steine gehen nach dem Verlegen als Schenkung in den Besitz der Gemeinde über.

An zwei weiteren Stellen, Poststraße 2 (Max und Fanny Valfer) und Bergstraße 4 (Salomon und Gerda Auerbacher) wurde mit je zwei weiteren Steinen den vertriebenen und getöteten Kippenheimer Mitbürgern gedacht.

Die 10x10 cm großen Stolpersteine sind kleine, unscheinbare Gedenktafeln. Sie werden an den letzten Wohnorten der Opfer des Nationalsozialismus ebenerdig in den öffentlichen Gehwegbereich eingelassen und sollen an diese Mitbürger auf Dauer erinnern. Die Schrift auf der eingelassenen Messingplatte ist mit Schlagbuchstaben gehämmert, die Einstanzung lautet: „HIER WOHNTE“ und darunter der Name, der Jahrgang und das weitere Schicksal der betreffenden Person.

Als ständige Erinnerung werden sogenannte Stolpersteine seit zehn Jahren in deutschen Städten, wie in Berlin, Köln, Freiburg, Lahr und nun auch in Kippenheim verlegt.